Rehwild und Rotwild mit Wärmebild ansprechen – meine Erfahrungen aus der Praxis

May 26, 2026

Mario Mitterlehner

In den letzten Jahren habe ich unterschiedlichste Wärmebildgeräte und Nachtsichttechnik im Revier verwendet. Gerade beim Reh- und Rotwild kommt irgendwann automatisch die Frage auf:

Kann man Wild mit einer Wärmebildkamera wirklich Rehwild oder Rotwild sicher ansprechen?

Meine ehrliche Antwort nach vielen Ansitzen lautet:
Nein. Oder nur teilweise.

Wärmebild ist unschlagbar beim Auffinden

Eines muss man klar sagen:
Mit moderner Wärmebildtechnik entdeckt man heute Wild, das man früher niemals gesehen hätte.

Vor allem bei:

  • schlechten Lichtverhältnissen
  • Nebel
  • dunklen Waldkanten
  • oder Bewegung im hohen Gras

ist Wärmebild einfach brutal stark. Gerade Rehwild sehe ich mit Wärmebild oft Minuten früher als mit normalem Glas. Das Problem beginnt aber erst danach.

Wild entdecken ist nicht gleich Wild ansprechen

Viele verwechseln das leider.

Nur weil ich ein Stück sauber im Wärmebild sehe, heißt das noch lange nicht, dass ich es auch wirklich korrekt ansprechen kann. Bei Schwarzwild funktioniert das oft noch relativ gut. Bei Rehwild oder Rotwild wird es deutlich schwieriger.

Besonders beim Rehwild hatte ich immer wieder Situationen, wo:

  • schwache Böcke wie Geißen wirkten
  • Kitze kaum sichtbar waren
  • Spiegel oder Hauptmerkmale fehlten
  • oder die Entfernung völlig falsch eingeschätzt wurde

Im Wärmebild sieht man eben hauptsächlich:

  • Körperform
  • Bewegung
  • Wärmesignatur
  • Verhalten am Stück: zum Beispiel ziehen alte Gaisen einfach oft später und vorsichtiger aus, als junge Stücke. Verhoffen oft lange Zeit am Waldrand, bevor sie ausziehen.

Feine Details gehen schnell verloren.

Genau deshalb bin ich irgendwann bei Multispektralgeräten gelandet

Irgendwann wollte ich nicht ständig zwischen Wärmebildgerät und Fernglas wechseln. Gerade nachts oder bei schlechtem Licht kostet das oft wertvolle Sekunden.

Deshalb habe ich begonnen, Multispektralgeräte intensiver zu nutzen. Aktuell testete ich vor allem gerade das ThermTec VENTUS und das HIKMICRO HABROK. Und genau hier merkt man den Unterschied zur klassischen Wärmebildkamera.

Wärmebild zum Auffinden, Nachtsichttechnik zum Ansprechen

Das ist für mich mittlerweile die wichtigste Kombination überhaupt. Ich nutze zuerst den Wärmebildkanal, um Wild schnell zu lokalisieren. Sobald ich weiß, wo das Stück steht, wechsle ich direkt in den optischen bzw. digitalen Kanal. Meist reicht ein Infrarotstrahler mit 940Nm vollkommen aus, falls die Distanzen über 100m liegen, verwende ich auch den stärkeren 850 Nm IR- Aufheller.

Und genau dort erkennt man plötzlich Dinge, die im Wärmebild komplett fehlen:

  • Geweih (Spießer, Gabler, 6er Bock)
  • Verhalten
  • Körperbau
  • Altersunterschied

Gerade beim Rotwild finde ich das extrem hilfreich.

Meine Erfahrungen mit dem ThermTec VENTUS und dem Hikmicro Habrok

Das ThermTec VENTUS (2 Varianten beide mit 640er Sensor) ist gerade neu am Markt erschienen. Ich persönlich nutze Binokulare gerne für längere Beobachtungen. Es fühlt sich eher wie ein richtiges Jagdfernglas an und weniger wie ein technisches Spielzeug. Vor allem beim ruhigen Beobachten von Rehwild oder Rotwild gefällt mir das sehr. Auf meinem YouTube Kanal findet Ihr ein eigenes Video zu dem Thema:

Was ich besonders praktisch finde:

  • angenehmes Glasen
  • schnelles Umschalten
  • sehr gutes Wärmebild
  • deutlich entspannteres Beobachten auf Dauer

Gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen hilft das enorm beim sicheren Ansprechen.

Das HIKMICRO HABROK ist für mich eher der flexible Allrounder.

Vor allem nachts im Feldrevier oder bei der Schwarzwildjagd spielt das Gerät seine Stärken aus.

Die Kombination aus:

  • Wärmebild
  • digitaler Nachtsicht
  • IR-Unterstützung

macht das Gerät extrem vielseitig.

Besonders praktisch finde ich, dass man sehr schnell zwischen Entdecken und Ansprechen wechseln kann, ohne ständig ein zweites Gerät in der Hand zu haben.

Mein persönliches Fazit

Kann man Reh- oder Rotwild mit Wärmebild ansprechen?

Meine ehrliche Meinung: Nein, oder eben nur sehr eingeschränkt. Zum reinen Auffinden ist Wärmebild heute kaum zu schlagen. Wenn es aber um eine wirklich sichere und waidgerechte Ansprache geht, reicht reine Thermik meiner Meinung nach oft nicht aus.

Genau deshalb sehe ich die Zukunft ganz klar bei Multispektralgeräten.

Die Kombination aus:

  • Wärmebild zum schnellen Finden
  • und optischer Darstellung zum sicheren Ansprechen

ist für mich aktuell die beste Lösung im Revier.

Und genau deshalb sind Geräte wie das ThermTec Ventus 636L Binokular oder das HIKMICRO HABROK HQ35 Binokular mittlerweile fixer Bestandteil meiner Jagdausrüstung geworden.